2 Jahre European Declaration on Cycling

2 Jahre European Declaration on Cycling

Berlin 22. April 2026

Zwei Jahre EU Cycling Declaration: Fahrrad und Wirtschaft zusammen denken!

Rund 120 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden kamen am 22. April ins Europäische Haus in Berlin, um den zweiten Jahrestag der European Declaration on Cycling zu feiern. Eingeladen hatten Zukunft Fahrrad und ZIV – Die Fahrradindustrie zusammen mit der Berliner Vertretung der EU-Kommission.

Die gemeinsame European Cycling Declaration von Europäischem Rat, EU-Kommission und Europaparlament vom April 2024 ist ein politischer Meilenstein für die Radverkehrsförderung in Europa. Entsprechend prominent war das Programm der Jubiläumsveranstaltung in Berlin. Aus der Politik sprachen der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Christian Hirte, der Vorsitzende des Handelsausschuss im Europaparlament, Bernd Lange und der Vorsitzende des Parlamentskreis Fahrrad im Bundestag, Henning Rehbaum. Im Fokus ihrer und weiterer Beiträge standen die Zukunft der Radverkehrsförderung und das Fahrrad als Wirtschaftsfaktor in Deutschland und Europa.

Fazit des Abends: Die European Cycling Declaration und der Nationale Radverkehrsplan der Bundesregierung sind wichtige politische Versprechen. Es kommt darauf an, sie gemeinsam umzusetzen – auch als Wirtschaftspolitik!

Alle Sprecher:innen der Veranstaltung finden Sie hier im Programm. Unten folgt ein Hintergrundtext zu Inhalten und Bedeutung der Cycling Declaration.

Die European Declaration on Cycling

Im April 2024 wurde die European Declaration on Cycling als gemeinsame Erklärung von Europäischem Rat, EU-Kommission und Europaparlament feierlich in Brüssel vorgestellt.

Die zehnseitige Cycling Declaration soll der EU und ihren Mitgliedsstaaten „als ein strategischer Kompass für die bestehenden und zukünftigen politischen Maßnahmen und Initiativen im Zusammenhang mit dem Radverkehr dienen“. Denn der Radverkehr habe eine “zentrale Bedeutung für die europäische Gesellschaft und Wirtschaft“, heißt es einleitend in der Erklärung. Sie enthält anschließend 36 Bekenntnisse zu Maßnahmen der Radverkehrsförderung.

Zwar ist die Cycling Declaration nicht rechtsverbindlich. Aber nicht zuletzt die prominente Vorstellung auf einem Treffen der EU-Verkehrsminister gibt ihr einen hohen politsch-symbolischen Wert. Anwesend waren auch die EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean, die Vorsitzende des Verkehrsausschuss im Europaparlament, Karima Delli und die Spitzen der europäischen Fahrradverbände ECF, CIE und CONEBI – siehe Titelbild dieses Beitrags.

Die Maßnahmenvorschläge der Cycling Declaration sind in acht Kapitel unterteilt, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Radverkehrsförderung beschäftigen: Von der Schaffung kohärenter nationaler Politikansätze über Radinfrastruktur und Verkehrssicherheit bis zu Radtourismus, Multimodalität und Datenerhebung. Kapitel VI ist der Fahrradwirtschaft gewidmet und lautet „Förderung hochwertiger Arbeitsplätze und der Entwicklung einer europäischen Fahrradindustrie von Weltrang“. Es beginnt mit folgender Feststellung:

„Die vermehrte Nutzung des Fahrrads bringt mehr hochwertige, wohnortnahe Arbeitsplätze mit sich, birgt Vorteile für die EU-Wirtschaft und die Fahrradindustrie und trägt zu den Zielen der EU-Industriestrategie bei.“

Sechs wirtschaftspolitische Maßnahmen enthält das Kapitel. So soll die europäische Produktion von Fahrrädern und Komponenten gesteigert, die Langlebigkeit und Nachhaltigkeit von Fahrrädern verbessert, attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen und Dienstleistungesangebote wie Bikesharing und Radlogistik ausgebaut werden.

Damit erkennt die Cycling Declaration die Bedeutung einer starken Fahrradwirtschaft für eine erfolgreiche Radverkehrsförderung und die Schaffung von Arbeitsplätzen an.

Die EU-Kommission selbst hat im Oktober 2025 einen ersten Fortschrittsbericht über die Umsetzung der Europäischen Erklärung zum Radverkehr veröffentlicht. Zum wirtschaftspolitischen Kapitel der Cycling Declaration wird darin prominent auf Frankreich verwiesen. Hier hat die Regierung 2024 einen Branchenvertrag (contrat de filière) mit der Fahrradwirtschaft geschlossen. In dessen Folge wurde der Investitionsfonds Industries du Vélo aufgelegt, der inzwischen 28 Investitionsprojekte der Fahrradwirtschaft mit insgesamt 31 Millionen Euro fördert.

Dieses Bewusstsein für die Rolle der Fahrradwirtschaft gilt es auch in Deutschland zu stärken: Radverkehrsförderung und Wirtschaftspolitik müssen stärker zusammengedacht werden. Die Fahrradwirtschaft steht dazu als Partner bereit – zum Beispiel wenn es um die wirtschaftspolitischen Maßnahmenvorschläge geht, die auch im Nationalen Radverkehrsplan NRVP 3.0 der Bundesregierung adressiert sind.

Mehr zu den wirtschaftspolitischen Aspekten der European Cycling Declaration, des NRVP und im französischen Plan Vélo et Marche gibt es in diesem Hintergrundpapier.

Titelbild (2.4.2024): CONEBI
Weitere Bilder (22.4.2026): Andreas Stückl/Zukunft Fahrrad

Teilen?